Rückblick auf den Fachtag „Beteiligung für alle“
Wie schaffen wir Beteiligung für alle?
Am 28. April 2026 fand in der Jugendherberge Berlin Ostkreuz der Fachtag „Beteiligung für alle! Kinder- und Jugendparlamente diversitätsorientiert gestalten“ statt. Eingeladen hatte die Akademie für Kinder- und Jugendparlamente in Trägerschaft des Arbeitskreises deutscher Bildungsstätten e. V. (AdB). Über 60 Fachkräfte aus den Bereichen Kinder- und Jugendbeteiligung, politische Bildung und aus der kommunalen Verwaltung kamen zusammen, um sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie Kinder- und Jugendparlamente (KiJuPas) tatsächlich eine Beteiligung für alle ermöglichen können.
Nach einer Begrüßung durch das Team der Akademie leitete Ouassima Laabich mit einem Impulsvortrag in den Tag ein. Sie zeigte auf, dass es bei Diversität um mehr als ein Merkmal geht, das Vielfalt beschreibt. Vielmehr sei es ein politisches Projekt, das Machtverhältnisse verändern will. Dabei gehe es nicht nur darum, dass Personen repräsentiert sind, sondern dass sie auch gehört und ernst genommen werden. Wichtig wären Safer und Braver Spaces, in denen junge Menschen sich sicher fühlen und ausprobieren können – also eine potenzialorientierte statt einer defizitorientierten Jugendarbeit. Ouassimas Ausführungen machten deutlich, dass Diversität kein abstrakter Anspruch ist, sondern eine praktische Anforderung an Strukturen, Haltungen und Gestaltungsspielräume.
Anschließend berichteten Klevis Knushi aus dem KJP Neukölln, Lena Risse vom Dachverband der Kinder- und Jugendgremien Brandenburg und Juli Krolop vom Akademiestandort Bayern aus der Praxis. Sie zeigten auf, wie KiJuPas versuchen, der Vielfalt junger Menschen gerecht zu werden – und wo noch Handlungsbedarf besteht. Dabei gaben sie auch konkrete Handlungsempfehlungen heraus: So hilft es, wenn KiJuPas an unterschiedlichen Orten kleine Beteiligungsmöglichkeiten schaffen, um möglichst viele junge Menschen zu erreichen. Zudem sei es wichtig, eine Struktur zu schaffen, in der sich alle wohlfühlen – sei es durch Awarenesskonzepte, barrierearme Veranstaltungsorte oder eine gute Verpflegung. Schließlich sollten junge Menschen darin sensibilisiert und unterstützt werden, wie sie in Kontakt mit nicht repräsentierten Personen treten, um möglichst alle Perspektiven einzubeziehen. Nicht zuletzt sei es entscheidend, dass Fachkräfte in Politik und Verwaltung sich mit der Thematik befassen und aktiv werden.
Nach dem Einstieg ins Thema boten fünf parallele Workshops Raum für intensive Auseinandersetzung mit verschiedenen Aspekten von Diversität.
- Im Workshop „Den Rahmen anpassen, nicht die Menschen! Inklusiv beteiligen“ von Chiara Rickes und Lena Groh-Trautmann von der Servicestelle Jugendbeteiligung ging es um die Gestaltung inklusiver Beteiligungsangebote, die für alle spannend, spaßig und zugänglich sind. Die Teilnehmenden tauschten sich darüber aus, wie Veranstaltungsorte, Methoden und Unterstützungsangebote so gestaltet werden können, dass alle jungen Menschen teilhaben können – unabhängig von körperlichen oder kognitiven Einschränkungen.
- Der Workshop „Adultismus in der kommunalen Jugendbeteiligung“ von Klevis Knushi (KJP Neukölln), Anke Radke (Demokratie & Dialog e.V.) und Claudia Wendt (Bezirksamt Neukölln) reflektierte, wie adultistische Strukturen die Arbeit von KiJuPas prägen und welche Barrieren dadurch entstehen. Ziel war es, adultistische Haltungen und Praktiken zu reflektieren, um Beteiligungsformate gerechter und inklusiver zu gestalten.
- Im Workshop „Geld spielt (k)eine Rolle? – Armutssensibilität als Baustein der Beteiligungspraxis“ von Henriette Prössel von der Hochschule Magdeburg-Stendal und Jan Hennig vom Akademiestandort in Sachsen-Anhalt wurde mit Blick auf über 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche in Armut in Deutschland diskutiert, wie KiJuPas klassismuskritisch agieren und soziale Ungleichheiten abbauen können.
- Ouassima Laabich leitete den Workshop „Rassismuskritisch agieren und positionieren als KiJuPa“, der antimuslimischen Rassismus in den Blick nahm. Neben der Analyse, wie Erfahrungen von Diskriminierung und Nicht-Zugehörigkeit Partizipationsmöglichkeiten beeinflussen, wurden gemeinsam Strategien erarbeitet, um Beteiligungsstrukturen rassismuskritisch zu gestalten.
- Im Workshop „Zu schräg für Teilhabe?! Un-/Möglichkeiten queerfreundlicher Beteiligung“ von Kim Alexandra Trau vom Jugendnetzwerk Lambda ging es darum, was es bedeutet, die Lebenslagen vielfältiger Geschlechtsidentitäten zu berücksichtigen. Die Teilnehmenden diskutierten, wie KiJuPas queerfreundliche Räume schaffen und selbst sein können – ohne junge Menschen zur Anpassung zu zwingen.
Am Nachmittag boten Austausch-Tische und Schlaglichter-Impulse die Möglichkeit, zu weiteren Aspekten ins Gespräch zu kommen und Ideen für die eigene Praxis zu sammeln. In kurzen Impulsen wurden Themen wie Awareness, Mental Health, der Umgang mit Polarisierung und die Förderung von Meinungsvielfalt sowie die Auswahl diversitätsorientierter Methoden erörtert. Zudem konnten sich die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen und Ansätze dazu austauschen, wie Zugänge ermöglicht und Kooperationen gefunden werden können, was es braucht, um eine diversitätsorientierte Arbeitsweise selbstverständlich zu machen, und wie Diversitätsthemen im KiJuPa besprochen werden können. Dabei wurde deutlich, wie vielfältig die Ansatzpunkte sind und auf welche guten Erfahrungen aufgebaut werden kann.
Zum Abschluss wurde Rückmeldungen aus dem Plenum sowie von einigen Mitwirkenden gesammelt. Ein wichtiges Fazit war, dass diversitätsorientierte KiJuPas kein Ziel, sondern ein Prozess sind und Kooperationen dafür unabdingbar. Die Teilnehmenden nahmen nicht nur konkrete Methoden und Strategien mit, sondern auch die Gewissheit, dass die Arbeit für echte Teilhabe aller jungen Menschen weitergehen muss – gemeinsam, mutig und mit klarer Haltung.
Die positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden unterstrichen, dass der Fachtag nicht nur Inspiration und Wissen, sondern auch praktische Ansätze für die konkrete Arbeit vermittelt hat. Ein besonderer Dank gilt neben den Referent*innen den zahlreichen Akademiestandorten, die den Tag mitgestaltet und ihre Expertise eingebracht haben.
(Fotos: © AdB)







