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Jahresbericht 2025 des Akademiestandortes Niedersachsen

Jugendbeteiligung gewinnt in Niedersachsen kommunal an Zuspruch

Der Standort Niedersachsen der Akademie für Kinder- und Jugendparlamente schaut auf ein ereignisreiches Jahr 2025 zurück. Im Jahr 2025 wurde deutlich, dass Kinder- und Jugendbeteiligung in Niedersachsen weiterhin in kommunalen Strukturen eine hohe Relevanz hat. Stark besuchte Fachveranstaltungen und eine hohe Nachfrage an Seminaren für Kinder- und Jugendparlamente zeigen, dass die Akademie für Kinder- und Jugendparlamente in Niedersachsen an Relevanz gewonnen hat und in einem starken Netzwerk der Jugendbeteiligung in Niedersachsen etabliert ist.

Die hohe Nachfrage der Kinder- und Jugendparlamente sowie der Fachkräfte für Kinder- und Jugendbeteiligung an Seminarangeboten zeigt, dass Jugendparlamente eine wichtige Schnittstelle zur Teilhabe an kommunalpolitischen Strukturen darstellen können. Im Austausch mit den Begleitpersonen der Jugendgremien teilten viele innerhalb der Seminare für Fachkräfte mit, dass kinder- und jugendgerechte Beteiligung auf kommunaler Ebene eine Herausforderung für sie darstelle. So berichteten Fachkräfte im direkten Austausch, unzufrieden mit der Erreichung von Kindern und Jugendlichen zu sein und dass kommunale Strukturen oftmals eine gelingende Beteiligung erschweren würden. Dennoch wurde gerade dadurch deutlich, dass die Fachkräfte ihre Aufgabe einer kinder- und jugendgerechten Beteiligung in kommunalpolitischen Strukturen ernst nehmen und diese nicht nur als eine Ihnen aufgetragene Aufgabe verstehen, sondern tatsächliche Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen in der Kommune erzielen und verstetigen möchten.

Fachkräfte im Spannungsfeld kommunaler Strukturen und gelingender Jugendbeteiligung

Die Fachtagung für Fachkräfte der Jugendbeteiligung in der HÖB Papenburg, in Zusammenarbeit mit der LAG OKJA | Fachstelle Kinder- und Jugendbeteiligung Niedersachsen und der LAG Kinder- und Jugendbeteiligung, unter Beteiligung wichtiger Akteure wie der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung, eröffnete für die Fachkräfte einen Austauschraum für ihre Erfahrungen in der gelingenden und herausfordernden Beteiligung von Jugendlichen. Während der Veranstaltung nahmen oft Diskussionen über das Erreichen möglichst vieler Jugendlicher und die dafür notwendigen Gelingensbedingungen einen großen Raum ein. Viele Fachkräfte erzählten außerdem, dass sie aufgrund des Auftrags von kommunalpolitischer Seite, Beteiligung von Jugendlichen durch Jugendgremien in der Kommune zu ermöglichen, verunsichert seien. Oft würden für die Fachkräfte nur wenige Stunden für Jugendbeteiligung zur Verfügung gestellt werden, welche nicht ausreichen würden, um dem Wunsch einer gelingenden Jugendbeteiligung in der Kommune gerecht zu werden. Somit sähen sich viele der in den Fachtagungen anwesenden Fachkräfte in einem Spannungsfeld zwischen ihrem vorherrschenden Verständnis von Jugendbeteiligung und der zur Verfügung stehenden Unterstützung kommunaler Strukturen. Mit diesen Rahmenbedingungen eine Mitwirkung Jugendlicher zu ermöglichen, stelle eine große Herausforderung für die Fachkräfte der Jugendbeteiligung dar. Die Fachveranstaltungen setzten genau dort an und betrachteten auf der Grundlage gelingender Beteiligungsformate deren Herausforderungen und Anforderungen des Gelingens und eröffneten einen Transfer auf individuelle Rahmenbedingungen der Fachkräfte. Im Wechsel zwischen Plenumsdiskussionen und Gruppenarbeitsphasen wurde versucht, diesen Transfer auf die für die Fachkräfte relevanten Bereiche zu ermöglichen und Anknüpfungspunkte zu ihrer Beteiligungsarbeit zu schaffen. Der stattfindende Erfahrungsaustausch ist über die Fachveranstaltungen hinweg ein wichtiger Bestandteil der Netzwerkarbeit in der Kinder- und Jugendbeteiligung Niedersachsens.

Jugendgremien wollen politisch sein und mitbestimmen

In den Seminaren der Jugendparlamente zeigten die Jugendgremien ein hohes Bewusstsein für politische Debatten und sahen ihre Aufgabe in der Repräsentation der jugendlichen Perspektive innerhalb der Kommune. In Gesprächen wurde deutlich, dass sich viele Jugendgremien eine stärkere Wahrnehmung und Anbindung an kommunalpolitische Abläufe wünschen. So seien viele Kommunen nur im Austausch mit den Jugendparlamenten, wenn es um „Jugendthemen“ gehe, bei denen explizit dann die Meinung der Jugendgremien gefragt sei. Somit fehle eine strukturelle Anbindung an Ausschüsse und der Austausch sei bewusst von kommunalpolitischer Seite gesteuert. Diese Umgangsform mit Jugendparlamenten als Gremien innerhalb kommunaler Strukturen stellt keineswegs eine tatsächliche Mitbestimmung Jugendlicher an politischen Abläufen dar und zeigt, dass vorhandene Strukturen zum Hindernis von Jugendbeteiligung werden.

Die Jugendgremien bei ihrer Form der Zusammenarbeit und ihrer Wirkmächtigkeit durch Seminarangebote zu unterstützen, ist daher eine der zentralen Aufgaben der Akademie für Kinder- und Jugendparlamente in Niedersachsen.

Wunsch nach Vernetzung unter den Jugendgremien

Viele Jugendgremien teilten in den Seminaren die Erfahrung, dass sie sich aufgrund des Anspruchs von Seiten der Kommunalpolitik in ihrer Arbeit unsicher fühlten und daher vermehrt einen Austausch mit anderen Jugendgremien wünschten. Netzwerktreffen, an denen die HÖB Papenburg mitwirkte, wie in Oldenburg oder Hemmingen, ermöglichten einen Praxisaustausch unter den Jugendlichen und eine Auseinandersetzung mit praktischen Handreichungen zur Mitbestimmung in den Kommunen. Die angebotenen Workshops innerhalb der Netzwerktreffen sollten die Jugendlichen dazu befähigen, sich diskursiv mit den Anforderungen für gelingende Mitbestimmung in der Kommune auseinanderzusetzen. Die Vernetzung unter den Jugendgremien und der dabei stattfindende Austausch über unterschiedliche Herausforderungen stellen wichtige Bestandteile solcher Treffen dar.

Seminare für Jugendliche in der HÖB Papenburg und Mariaspring – Ländliche Heimvolkshochschule

Die Anfragen der Jugendgremien zu Seminarangeboten in der HÖB Papenburg und der Heimvolkshochschule Mariaspring orientierten sich an dem Bildungsprogramm des Standorts Niedersachsen und zeigten zugleich individuelle Schwerpunktsetzungen und Bedarfe durch die Jugendgremien. Für viele Jugendgremien war unter anderem ein erstes Zusammentreffen nach wenigen Wochen der konstituierenden Sitzung wichtig, um notwendige Grundlagen der Zusammenarbeit als Beteiligungsgremium zu festigen. Die Mitglieder der Jugendparlamente hatten somit die Möglichkeit, sich innerhalb der Wochenendseminare auf die für sie wichtigen Themen und Grundlagen der Gremienarbeit zu verständigen. Bezüge zu kommunalpolitischen Entwicklungen zu geben, war dabei immer ein wichtiges begleitendes Element der Seminargestaltung. In den Seminaren konnten die Jugendgremien ihre Ideen einbringen, diskutieren und gemeinsam entscheiden, welche Themen für ihre Arbeit wichtig sind. Die Jugendlichen haben in den Seminaren unterschiedliche Interessenslagen wiedergespiegelt. Für einige Jugendliche war die stärkere Einbindung möglichst vieler Jugendlicher ein wichtiger Prozess, sodass darum gerungen wurde, wie die Beteiligung der Jugendlichen stärker gefördert werden kann und welche Austauschformate es dafür braucht, sodass zum einen viele Jugendliche erreicht werden und auch deren Meinungen und Ideen auf kommunaler Ebene angemessen gehört und wahrgenommen werden können.

Ein Ergebnis der Seminare des Standorts Niedersachsen ist, dass die Jugendgremien Strategien entwickelt haben, ihre Themen und Ergebnisse öffentlich sichtbar zu machen und sich aktiv in politische Prozesse einzubringen. So sind beispielsweise eine stärkere Beteiligung von Jugendlichen in Projektvorhaben der Kommune, die Gestaltung einer naturnäheren Innenstadt oder die Teilnahme an Gedenkveranstaltungen der Erinnerungskultur Ausdruck des vielfältigen politischen Engagements der Jugendlichen, welches Sie in den Seminaren miteinander diskutiert haben.

Jugend wünscht sich Beteiligung und Unterstützung

Im Jahr 2026 besteht weiterhin ein hoher Bedarf an Seminarangeboten für Jugendgremien. Viele Jugendgremien und Fachkräfte sehen es als sinnvoll an, direkt zu Beginn ihrer Amtszeit ein gemeinsames Seminarwochenende durchzuführen. So haben die Fachkräfte und die Jugendgremien die Durchführung eines Seminars nach kurzer Zeit nach der konstituierenden Sitzung empfohlen. Daher kommen im Jahr 2026 viele Jugendgremien, die sich neu konstituieren werden. In Barsinghausen wird es beispielsweise auf Wunsch der Jugendlichen nach einigen Jahren wieder ein Jugendparlament geben, welches bei der Akademie für Kinder- und Jugendparlamente an einem Seminarwochenende teilnehmen wird.

Die Fachveranstaltungen im Jahr 2026 setzen verstärkt einen Schwerpunkt auf die Ermöglichung der politischen Teilhabe der Jugendlichen und beschäftigen sich mit zentralen Fragen von Macht und Verantwortung. In den Veranstaltungen sollen Beteiligungsprozesse diskutiert werden, in denen junge Menschen nicht nur mitwirken, sondern politisches Denken und demokratisches Handeln entwickeln können. Diesen Anforderungen wird sich die Akademie für Kinder- und Jugendparlamente in Niedersachsen im Jahr 2026 im Besonderen widmen.